Wahre Schönheit kommt von innen. Fragt sich nur, ob das draußen jemand bemerkt ...

Die alten Römer, die sich sonst gern zankten, sagten bereits: "Über Geschmack lässt sich nicht streiten." Das gilt heute noch vielen als Ausrede, über das Verhältnis von Schön und Gut gar nicht erst nachzudenken. Das Schöne scheint irgendwie übersinnlich. Und für derlei ist in der logischen Welt der Wirtschaft kein Platz. So spielt in den meisten Unternehmen das Schöne eine Nebenrolle. Ein Zaungast der emsigen Produktion, der zwar irgendwie auch dazugehört, nur keiner weiß so recht weswegen ...

Schönheit verkauft - eine Tatsache ...

Evolutionsbiologen legen nahe, dass Schönheit eine Grundfunktion der Evolution ist. Das bedeutet, dass nichts und niemand sich der Schönheit entziehen kann. Weil Biologie und Evolutionstheorie das krasse Gegenteil von Übersinnlichem sind, wäre das wohl auch mal ein Grund, die vernachlässigte Frage "Was ist schön?" in den Vorstandsetagen zu stellen. Bei Produkten gilt jedenfalls als halbwegs gesichert, dass es ihnen nicht schadet, wenn sie gefällig daherkommen. Dass in Kneipen, in denen attraktive Kellnerinnen arbeiten, mehr Schnaps verkauft wird, ist ja auch nicht neu ...
 
Die Wiener Marketingforscher Heribert Reisinger und Claus Ebster haben im Jahr 2006 eine Studie vorgelegt, die das Thema Schönheit eigentlich zur Nummer eins in der Agenda von Unternehmen machen müsste. Die Ausgangsfrage der Forscher an der Universität Wien ist simpel: Verkauft sich Schönes besser? Die Ergebnisse von mehr als 430 Testpersonen, die mit mal schönen, mal durchschnittlichen, mal sogenannten "hässlichen" Produkten, Webportalen, Imagedrucksachen und Verkäufern konfrontiert wurden, lassen kaum noch Fragen offen. Stets entschieden sich die Testpersonen für die Hübschen, wenn sie etwas kaufen wollten. Die Normalos haben deutlich geringere Chancen. Die Hässlichen im Grunde keine.
 
Mit der Überflussgesellschaft, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstand, änderte sich eines rapide. Zunächst spielte es keine Rolle, wie ein Auto aussieht - Hauptsache, man hatte eines. Aber plötzlich stellte niemand mehr ernsthaft infrage, dass die Form, die Gestaltung eines Autos, sein Design und damit seine Unterscheidbarkeit der maßgebliche Kauffaktor war. Wo viele konkurrierende Angebote existieren, wird der feine Unterschied zur wichtigsten wirtschaftlichen Kraft.